Laufen

admin am 9. Mai 2011 um 21:25

Erst euphorisch,
fest entflammt,
dauergerannt!

Dann versiegte,
schnell verzagte,
das Laufen in das ungemache.

Zwischendurch ein bisschen Laufen,
ohne im eigenen Schweiß zu ersaufen.

Nun neue quälerei,
der feste Wille ich bleib dabei!

Ja ich laufe wieder!

Tag 3

admin am 6. April 2011 um 09:34

Läuft!

Nicht ganz so gut wie erhofft. Aber schon besser als die letzten beiden Tage.
Abwarten. Ich traue dem Braten noch nicht.

Tag 2

admin am 5. April 2011 um 08:46

Tag 2

Mir geht es schlecht!

Ich habe die Nacht Schweißausbrüche gehabt, habe unruhig geschlafen, musste zwischendurch sogar aufstehen!
Tag 1 an sich lief auch nicht unbedingt besser. Ich musste gestern Nachmittag doch noch eine rauchen.
Das war es dann aber auch. Eine weitere Zigarette. Ohne dem ging es gar nicht. Ich hatte Ohrensausen. War aggressiv.
Habe meine Kollegen angepampt. Ich musste eine rauchen. Ich gebe es zu. Aber danach war ich gestern clean!

Außerdem habe ich diese Email an meine Kollegen geschrieben:

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Hallo Zusammen,

auch wenn es komisch ist: Aber ich möchte mich präventiv schonmal für Patzigkeit, Nervösität und Fahrigkeit in den nächsten Tagen entschuldigen.
Ich versuche gerade das Rauchen aufzugeben und habe gerade schon gemerkt, was die „Entzugserscheinungen“ anstellen können.
Ich hoffe das halbwegs im Griff zu bekommen. Aber wenn ihr was abbekommt, drückt mir einfach nen Spruch!

Gruß
Andi

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Kam ziemlich gut an. Ich hoffe ich halte durch! Es ist Tag 2! Drückt mir die Daumen!

Tag 1

admin am 4. April 2011 um 10:04

Hallo Zusammen,

da ich den Blog in letzter Zeit kaum nutze, habe ich mir gedacht, dokumentieren wir hier doch mal.
Ich habe mir gestern Abend vorgenommen ab heute nicht mehr zu rauchen. Entsprechend ist Tag 1.
Gut, hat jetzt noch nicht so mega geklappt. Denn die letzten zwei Zigaretten in meiner angebrochenen Schachtel habe ich heute morgen noch geraucht.
Das ist nun aber rund 3 stunden her. (Und das ist ja schonmal was!)
Das soll es gewesen sein. Leidlich spüre ich jetzt schon wieder das Verlangen nach einer Zigarette. Ich weiß genau, die nächsten Tage werden die Hölle. Sogar die nächsten Wochen! Ständig dieses Verlangen und die Lust auf so nen Scheiß Glimmstängel! Pah! Jetzt geht es wieder rund.
Ob ich scheiter oder nicht, ich möchte täglich was dazu schreiben. Auch wenn ich scheiter!
Ich hoffe mich damit genügend unter Druck setzen zu können, dass ich mir die Schmarch des rückfällig werdens nicht geben muss und dann auch noch das gesamte Internet davon lesen kann!
Ich bin gespannt!
Meine Freundin ist eingeweiht!
Nun kann es los gehen!

Ich möchte ne Zigarette! Hat jemand eine für mich?
Ach verdammt! Nein ich möchte keine!

Drückt mir die Daumen! Bitte!

Gruß
der Andi

Halbzeit

admin am 27. Juni 2010 um 20:35

Hellas Zusammen,

wie einige von euch bereits wissen, bin ich gerade auf der wunderbaren Insel Karpathos. Was soll ich sagen?

Wetter toll, Strand toll, Essen toll?

Leider ist dem nicht ganz so.

Den Strand habe ich bis heute noch nicht gefunden (und ich bin nun fast eine Woche hier) und das Essen, nunja, das Essen lässt zu wünschen übrig. Immerhin ist das Wetter wirklich toll. Zu allem Überfluss plagt mich seit meinem Anreisetag eine Erkältung.

ABER: Mir geht es echt gut hier. Ich wohne in einer wirklich kleinen Kleinstadt (ich bin mir nichtmal sicher ob man sie schon Stadt nennen darf), ein Restaurant, eine Kirche (deren Messen Sonntagsmorgens per Lautsprecher ins Dorf gebrüllt werden) und ein Supermarkt (der streng genommen eher ein Kiosk ist). Aber es ist genau das was ich wollte!

Es gibt hier so gut wie keine Touristen und selbst mein 40 Zimmer Hotel ist gerademal zu einem Achtel belegt. Man hat unendliche Ruhe und diese genieße ich auch.

Eigentlich hat sich mein Zweck dieser Reise schon erfüllt. Ich wollte mal wieder runter kommen und in aller Ruhe zu mir selbst finden. Das hat bisher wunderbar funktioniert. Was nun kommt nenne ich die Phase der Tiefenentspannung, andere würden es wohl rösten nennen, denn die Sonne knallt hier wirklich unerbitterlich. Ich freue mich hier zu sein und ich freue mich, dass es mir hier so gut geht (mal von der Erkältung abgesehen). Aber ich freue mich auch (und oh staune, das hört man von mir selten) bald wieder daheim zu sein.

Es geht mir wirklich gut und ich glaube ich habe genügend Kraft getankt um so wieder eine Zeit lang Gas zu geben, darauf freue ich mich!

Besten Gruß von der agäischen Insel,

Andi

Lisa am Horizont

admin am 30. April 2010 um 01:23

Es ist später Herbst, eigentlich schon fast Winter, um meinem Haus steht ein Gerüst, auf diesem Gerüst stehe ich und schaue über den Hof in den Herbsthorizont. Er ist grau. So grau wie ich mich fühle. Ich habe mir angewöhnt hier draußen zu rauchen. So lange das Gerüst steht geht das wohl noch. Danach werde ich mir etwas anderes überlegen. Mir gefällt dieser Horizont, kaum vorstellbar, dass hinter all den Wolken und über all der kalten Luft klare, helle, warme Sonnenstrahlen sind. Aber danach ist mir auch nicht zumute. Es ist dieses Grau in Grau, dieses nicht hell, nicht dunkel, das mir gerade gefällt.
Irgendwie spiegelt dieser Horizont mich selbst wieder. Mal wieder bin ich Gedanken in der Vergangenheit. Heute habe ich eine Frau kennengelernt. Sie gefällt mir, sie ist süß, intelligent und steht mit beiden Beinen im Leben. Doch es ist immer das Selbe. Lerne ich eine Frau kennen, kommen unweigerlich diese Gedanken. Nicht gleich, nie in dem Moment. Immer erst wenn es anfängt zu dämmern. In Momenten wie Diesem. Wenn alles um mich herum grau scheint, das Licht abnimmt. Dann beginne auch ich mich grau zu fühlen. Ich kann mir nicht ausmalen wie ich gerade wirken muss. Nur ein Schatten meiner Selbst.
Wenn diese Gedanken kommen, dann denke ich zurück. Das mache ich aktiv. Die Gedanken hingegen kommen sehr passiv, unterschwellig, nicht herbeigerufen, außer vielleicht von meinem Unterbewusstsein. Ich denke Zurück, an die Zeit vor 9 Jahren. Unvorstellbar auch, dass es bald ein Jahrzehnt her ist. Unvorstellbar was sich in der Zeit alles verändert hat. Unvorstellbar, wie sehr ich mich verändert habe. Dennoch, ich stehe hier draußen, auf diesem wackeligen Gerüst, rauche und denke an die Zeit in der alles gut war. Ich lasse einen Zeitraum von über fünf Jahren in meinem Kopf Revue passieren. Ich denke nur an die guten Zeiten. Die Zeit, in der ich Ihr zusammen wahr. Der grauen Eminenz in meinem Leben. Ein Schatten der mich verfolgt. Bis heute. Bis in eine Zeit, in der ich mein Leben auf den Kopf gestellt habe, ich Veränderungen herbeigeführt, nein sogar forciert habe, in der ich mich ganz bewusst verändert und ganz unbewusst weiterentwickelt habe und doch lässt es mich nicht los.
Ich weiß inzwischen, dass ich noch fähig bin zu lieben und mich zu verlieben. All dies habe ich getan. Seitdem Demoiselle Gris weg ist. Und doch liegt ein Schatten auf mir. Immer sobald ich eine neue Frau kennenlerne. Seit nunmehr drei Jahren. Es waren lange drei Jahre. Drei Jahre in denen ich weggelaufen, widergekehrt und umgekehrt bin. Drei Jahre in denen ich gelernt habe Sie als einen Teil von mir zu akzeptieren und ich denen ich lernte, dass Sie immer ein Teil von mir sein wird.
Doch trotz all dem Gelernten, all der Veränderung, all der Akzeptanz stehe ich hier draußen auf dem Gerüst und wünsche sie mir zurück, obwohl ich weiß, dass ich nicht die heutige Demoiselle Gris liebe, das auch sie sich verändert haben wird. Das Sie nicht mehr die ist, die ich liebte. Also was will ich eigentlich zurück?
Ich rauche inzwischen meine dritte Zigarette, fülle meine Lungen mit Rauch und puste ihn der Welt entgegen. Das Licht um mich herum entschwindet. Meine Gedanken bleiben. Hier draußen bin ich ich, so verletzlich und verwirrt wie ich nur sein kann. Mir gefällt diese neue Frau und mir gefällt mein Leben. Ich kämpfe gegen meine Gedanken an. Ich kämpfe einen Kampf gegen meine Vergangenheit. Doch kann man diesen Kampf überhaupt gewinnen? Eine SMS ruft mich ins Leben zurück. “Hey Frank, komm rüber in Zweifall, warte dort!” schreibt mir Tom. Die grübeleien haben ein Ende. Ich steige durchs Fenster zurück in meine Wohnung. Im Zweifall kehre ich ein, wie in mein Wohnzimmer. Tom sitzt dort und grinst mir neckisch zu. Wie ich wohl gerade auf ihn wirken muss? Zehn minuten Fußweg liegen zwischen meiner Wohnung und dem Zweifall. Zehn Minuten in denen ich die Gedanken nicht verdrängen konnte, die ich schon seit Jahren versuche zumindest an den Rand meines Bewusstseins zu verbannen, an einen Ort in mir, an dem ich sie nicht wahr nehme.
Tom merkt, das mal wieder etwas nicht mit mir stimmt. Spricht mich aber Gott sei Dank nicht darauf an, sondern bestellt mir ein Becks. Es ist mein Lieblingsbier und trotzdem schmeckt es mir heute nicht. Das liegt mit Sicherheit nicht daran, dass die Traditionsbrauerei aus dem Norden innerhalb der letzten zwei Wochen das brauen verlernt hat, sondern an meiner Stimmung. Ich habe gelernt, meine Gedanken, Sorgen und meine Traurigkeit nicht in Alkohol zu ertränken. Alkohol ist für mich ein Gefühlsverstärker. Bin ich melancholisch, werde ich dadurch nur noch melancholischer. Bin ich glücklich oder fröhlich, so macht mich ein gutes Bier noch glücklicher.
Aber was ist schon Glück? Glück ist nichts als ein Moment. Zufriedenheit die wahre Glückseeligkeit. Ich bestell mir einen Kaffee, schwarz wie meine Seele und bitter wie das Leben. Tom weiß was die Stunde geschlagen hat. Eigentlich wollte er hier fröhlich mit mir zusammen sitzen, quatschen, quatsch machen und wie immer neue Leute kennenlernen. Doch heute verzichtet er darauf, während ich die hälfte meines Kaffees trinke, leert er sein Bier und meins auch gleich. Packt unsere Jacken bezahlt und zieht mich aus dem Laden.
“Frank, ich weiß was mit dir los ist. Ich kenne das bereits von dir, ich hab da keinen Bock drauf. Nicht heute und in Zukunft auch nicht mehr!”. Wow, das ist mal eine klare Ansage. Tom zieht mich weiter, “wir gehen spazieren”. Während ich so neben ihm her laufe baut sich Wut in mir auf. Wie kann er nur so ignorant sein. Wie kann er mir das an den Kopf werfen. Da hätte er mir genauso gut einen Schlag auf die kurze Rippe geben - nicht dass er das nicht schonmal getan hätte. Eine Stunde lang wandern wir durch die Straßenschluchten unserer Stadt. Eine Stunde lang schweigen wir. Dann kommen wir wieder vor dem Zweifall an. Ich habe nicht gemerkt, dass wir im Kreis gelaufen sind.
Tom grinst mich wieder so neckisch an. “Na sauer auf mich?”, ich falle aus meinen Gedanken. “Ähm, äh, ja” stotter ich verwirrt. “Sehr gut, dann habe ich was ich wollte, einen Frank frei von Ihr deren Name nicht genannt werden darf”. - Diesen Namen hat er ihr lange nach der Trennung gegeben- “Nun lass uns wieder rein gehen und ein Bier trinken”. So einfach ist das also. Tom bestellt mir ein Becks, sich unser einheimisches Bier. Das Bier schmeckt mir köstlich. Es wird ein guter Abend. Ich denke nur noch sehr wenig an Demoiselle Gris, Tom merkt davon nichts mehr und ich habe sogar Spaß.
In den nächsten Tagen reiße ich mich zusammen. Treffe mich hin und wieder mit Lisa. Der Frau die ich gerade kennengelernt habe. Sie gefällt mir immer besser. Abends ist es immernoch ein Trauerspiel. Zu allem Überfluss wurde angekündigt, dass das Gerüst, mein Gerüst, abgebaut werden soll. Allerdings kommen die Gedanken nicht mehr in kausalität mit Lisa. Wir gehen Kaffee trinken. Ins Kino. An der Kinokasse streiten wir uns, weil sie in nen Actionfilm möchte, ich in die Romantikkomödie. Verkehrte Welt. Wir gehen zusammen ins Zweifall. Natürlich ist Tom da. Als er mich mit Lisa sieht bekomme ich nicht nur ein neckisches Grinsen sondern auch ein verschmitztes Zwinkern. An diesem Abend denke ich nicht an Demoiselle Gris. In der Nacht als sich Lisa und ich uns verabschieden, wander ich mal nicht benommen heim. In meiner Wohnung warten keine Schatten auf mich. Stattdessen nehme ich mein Handy heraus und wünsche Lisa per SMS nochmal eine gute Nacht und lege mich mit einem gutem Gefühl schlafen ohne zu wissen was mich am nächsten Tag erwartet.
Als ich wieder zu mir komme ist noch alles gut, sehr gut sogar, ich fühle mich frisch, was ungewöhnlich ist, wenn man unter der Woche Nachts um zwei aus der Kneipe kommt, Lisa eine halbe Stunde zu Fuß heim bringt und dann feststellt, dass sie in der entgegengesetzten Richtung vom Zweifall wohnt und man also mindestens vierzig Minuten bis zu Hause braucht und man um sechs Uhr wieder aufstehen muss. Wie auch immer, ich fühle mich frisch. Mache mich fertig und fahre zur Arbeit.
Als ich heim komme regnet es. Vom Auto bis zur Haustür bin ich kletschnass. Oben angekommen friere ich. Als ich die Tür öffne wird es gefühlt nochmal zwei Grad kühler. Die Schatten sind wieder da und sie fallen mich an. An diesem Abend bin ich zu nichts in der Lage. Eigentlich hätte ich mit Tom und noch ein paar Freunden essen gehen sollen. Ich sage nichtmal ab. Ich gehe nicht ans Telefon, reagiere nicht auf SMS, weder bei Tom, noch bei Lisa. Ich sitze zwei Stunden nur so da, in meinem Sessel im Flur, am Fenster zum Gerüst und bin wieder voll und ganz von Demoiselle Gris gefangen. Sogar meine nassen Klamotten habe ich noch an. Irgendwann schlafe ich genau so wie ich dort sitze ein. Ich weiß nicht mehr wann das war. Die Nacht war schon schwarz und meine Gedanken nicht mehr sortierbar. An diesem Abend bin ich nicht mehr aus dem Sessel aufgestanden. Habe weder getrunken noch gegessen. Nichtmal meine innere Uhr weckt mich in den neuen Tag.
Als ich aufwache und realisiere, dass es bereits hell draußen ist, sogar die Sonne scheint gerate ich in Panik. Meine Kleidung ist nicht mehr nass. Meine Panik treibt mich an. In Rekordgeschwindigkeit dusche ich, putze mir die Zähne und ziehe mir frische Kleidung an, hechte runter zum Auto, starte den Motor und schaue wie immer bevor ich los fahre kurz auf das Display mit der Uhr. Es ist Samstag. All die Panik umsonst. Aber gut, wenn ich nun schonmal hier bin, im Wagen sitze und der Motor sogar schon läuft, dann kann ich auch einen Kaffee trinken gehen und wie mir mein Magen signalisiert auch etwas essen. Ich fahre in ein kleine Café, eine Fahrt die eigentlich nicht lohnt, da es nicht so weit ist. Ich bestelle an der Theke und suche mir einen Tisch. Ich bin alleine in dem Café, trotzdem brauch die Bedienung gefühlte Ewigkeiten mir meine zwei Brötchen und meinen Kaffee zu bringen. Ich zücke mein Handy und stelle mit Erschrecken fest, dass ich achtunddreißig Anrufe in Abwesenheit und zwölf SMS habe. Die Anrufe sind nicht nur von Tom und Lisa sondern auch von meinen Eltern. Die SMS teilen sich mit sieben von Tom wo “Wo bleibst du Arsch wir haben hunger” noch die Freundlichste ist, vier sind von Lisa, sie fragt was ich mache, dann fragt sie warum ich nicht antworte, in der letzten schreibt sie, das sie das jetzt ziemlich doof von mir findet. Die zwölfte SMS ist von meiner Mama “Junge, was ist los bei dir? Wir machen uns Sorgen”. Mit “wir” schließt sie Tom mit ein. Der Arsch macht sich also doch Sorgen.
Ich schreibe allen zurück. Entschuldige mich. Lisa schreibe ich, dass ich sie heute noch sehen möchte. Ich trinke meinen Kaffee und überforder die Bedienung komplett, als ich mit den beiden Brötchen wieder zurück zur Theke gehe und sie mir einpacken lassen möchte. Ich habe das dringende Bedürfnis wieder heim zu spazieren. Den Wagen lasse ich am Café stehen.
In meiner Wohnung warten keine Schatten auf mich. Die Wohnung ist hell und freundlich. Ich setze mir Tee auf, genieße meine Brötchen und lege mich nochmal schlafen. Als ich einigen Stunden später aufwache habe ich wieder drei SMS, Tom schreibt nur “Arschloch”. Er freut sich also, dass ich noch lebe. Meine Mami schreibt, dass ich mit meinen Sorgen immer zu ihr kommen könnte. Lisa ist froh, dass ich wohl aufgewacht bin und dass ich sie sehen möchte. Nach einer zweiten Dusche an diesem Tag fahre ich zu ihr.
Was jetzt kommt ist nicht einfach für mich. Irgendwie will ich ihr alles erklären. Ohne ihr vor den Kopf zu stoßen. Ich will sie nicht verlieren. Auch wenn ich sie eigentlich noch gar nicht habe. Ich klingel und bekomme kalte Hände. Als sie mir öffnet, lächelt sie mich so wunderbar an, dass mir ganz warm wird. Fast lege ich meinen Plan ad acta. Ich will ihr nicht von meinem Problem erzählen. Sie bittet mich rein und macht mir Tee. Ich setze mich an den Küchentisch. Als sie mir meine Tasse hinstellt, sind meine Hände wieder kalt. Sie setzt sich mir gegenüber. Ich lege meine Hände um die Tasse und führe sie zum Mund, so als wollte ich den Tee zum abkühlen anpusten. Über den Tassenrand hinweg schaue ich Lisa in ihre strahlenden Augen. Sie freut sich ehrlich, dass ich da bin.
“Lisa, ich muss dir etwas erzählen über mich…” beginne ich. Ihr strahlen trübt sich. Ich erzähle ihr alles. Alles über Demoiselle Gris - auch sie kommt schnell auf die Bezeichnung “sie dessen Name nicht genannt werden darf” - wie es mir seit dem Danach erging. Ich erzähle ihr von meinen Gedanken und ich erzähle ihr was gestern wirklich war. Am Ende erzähle ich ihr, dass es mir seitdem ich sie kenne immer besser damit geht. Das ich wieder Farbe bekomme. Zum Ende haben wir beide Tränen in den Augen. Als ich sage, dass ich fertig bin mit meiner Geschichte, beugt sie sich über ihren Tisch zu mir rüber und küsst mich, zum ersten mal. In diesem Moment geht ein zweites Mal für mich an diesem Tag die Sonne auf.
Ein halbes Jahr später, es ist Frühling, steht mein Gerüst ums Haus immernoch. Es ist ein Samstag morgen und alles ist grün. Ich stehe mit einer Tasse Tee auf meinem Gerüst, ohne Zigarette, als es neben mir poltert. Lisa kommt zu mir auf das Gerüst und stellt sich zu mir und fragt “bist du dir sicher, dass diesen Ausblick aufgeben willst?”. Wir haben meine Schatten besiegt. Heute ziehen wir zusammen. In der neuen Wohnung brauche ich kein Gerüst. Dort gibt es keine Schatten. Und wenn doch, habe ich dort einen Balkon und Lisa.

beste Zeit unseres Lebens

admin am 8. Dezember 2009 um 13:21

Ich stehe in meinem Wohnzimmer, schaue auf die Straße, sie ist nass, die Bäume haben schon lange ihre Blätter verloren und die Menschen laufen zugeknöpft, mit Schirm und fahlen Gesichtern rum. Ich werde melancholisch, denke an den Sommer zurück, diesen Sommer und an einige Sommer davor. Ich erinner mich, als wäre es gestern gewesen, wie wir nach unserem Abschluss noch mal alle gemeinsam unseren Sommer genossen. Jeden Tag ins Freibad, jeden Abend wo anders eine Party, jeden Tag nochmal neue Leute kennengelernt. Ein paar Sommer später, ich im Italienurlaub, mit der Frau, so dachte ich damals, meines Lebens, guter Wein, gutes Essen, gutes Wetter, das Meer, die Wellen, die an den Strand schlagen und sich wieder zurück ziehen und dann wieder dagegen schlagen und sich wieder zurück ziehen. Der letzte Sommer, Europameisterschaft, Public Viewing, gutes Wetter, gute Musik, gute Leute, schöne Frauen. Das kommt alles so nicht mehr wieder, denke ich mir. Ich hole eine Zigarette aus der Hosentasche und zünde diese an. Schwelge in Erinnerungen. Stehe da an meinem Fenster und denke über mich nach. Ich fühle nichts, bin nicht traurig, dass das alles vorbei ist, bin nicht sauer, dass ich verlassen wurde, bin nicht enttäuscht das sich so viele Wege getrennt haben. Mein Kopf ist leer, dafür ist er nicht so schwer wie sonst. Ich atme ein, ich atme aus. Die Gedanken verschlingen mich. Ich denke an meine Freunde, jene die jetzt da sind, diese die waren. Frage mich, wo mich das Leben noch hinführt. Ich fühle mich frei, ich bin zufrieden.
<p>Mein Handy klingelt, ein Freund ist dran, einer aus dem Jetzt. Er fragt mich ob wir noch in eine Kneipe gehen, nen Bierchen trinken, Spaß haben und neue Leute kennenlernen. Ich sage ja, schnappe meinen Schlüssel und gehe los. Gehe unterwegs noch was essen, gehe in die etwas schummrige typische Studentenkneipe, treffe meinen Freund und noch einige andere Menschen die ich kenne. Ich atme ein, ich atme aus. Ich lächle und denke mir: “Es ist nicht schlimm, das man mit Vielen getrennte Wege geht, es ist nicht schlimm, das diese Sommer nie mehr wieder kommen, es ist einfach nicht schlimm. Es kommen neue Sommer und der Winter ist ja auch gar nicht so schlecht. Jetzt sind die guten Tage, an die ich mich im Lauf der Jahre erinnern werde.”

Monika

admin am 12. November 2009 um 00:35

Als ich zu mir komme, ist es draußen schon dunkel. Ich weiß nicht so recht wo ich bin, aber alles kommt mir so vertraut und bekannt vor. Ich fühle mich heimisch, so als wäre ich schon immer hier. So als gehörte ich hier hin. Ich sehe meinen Rechner, und ich sehe meine Skates. Kurz denke ich mir noch, dass ich ja schon ziemlich lang nicht mehr gefahren bin und ergebe mich der Umgebung, sehe ein, dass wenn mir hier alles so bekannt vor kommt und die mir wichtigen Dinge hier sind, dann bin ich wohl daheim und das ich es nicht genau zuordnen kann, mir es gar seltsam vorkommt, liegt wohl daran, dass ich a.) im Arbeitszimmer bin und b.) doch noch sehr schlaftrunken bin. Anscheinend bin ich hier auf der Couch eingeschlafen. Anscheinend habe ich ziemlich wirres Zeug geträumt und anscheinend habe ich mal wieder zu lange gearbeitet.

Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es gleich neun ist. Am Abend versteht sich. Ich schnalle mir meine Skates an und mache mich auf den Weg. Anscheinend bin ich noch verwirrter als ich dachte. Es ist dunkel, es ist neun, es ist arschkalt und auch draußen kommt mir die Welt wieder nur zu vertraut vor. Ich realisiere, dass ich die Gegend schon mein Leben lang kenne, dass ich hier ziemlich viel unterwegs war, dass ich jede Straße kenne und schiebe dieses Gefühl der Fremde wieder auf meine Schlaftrunkenheit und eine vorübergehende Verwirrtheit. Ich komme an einer mir bekannten Siedlung vorbei. Hier weiß ich gibt es eine menge Treppen. “Dort kann ich grinden”, denke ich und weiß ich. Ich fahre in die Siedlung, fahre auf die nächsten Stufen zu und erkenne, dass die Geländer abgeschraubt sind. Ich denke mir noch “Alex, ohne Geländer grindest du dort nicht!”, doch kaum habe ich diesen Satz zu Ende gedacht springe ich, ich fliege auf die gezogenen Treppen zu und setze daran zu einem technisch sauberen Soul Grind an. Ich rutsche ca. vier Meter die Treppe entlang und steige mit einem one-eighty aus dem Grind aus. “Wow” denke ich mir, “anscheinend bist doch nicht so aus der Übung wie du dachtest”, als ich mir die Treppe noch einmal genauer anschaue.

Ich bin nass geschwitzt, aber ich fühle mich unheimlich wohl. Ich bin außer Atem, aber nicht so sehr, dass ich nicht noch weiter fahren könnte. Meine Skates sitzen wie eh und je und ich fühle mich 10kg leichter als sonst. Ich merke, es ist ein wirklich guter Tag. Oder ein guter Abend. Doch es zieht mich weiter. Mir fällt ein, dass ich für meine Firma noch einige Rechnungen schreiben muss, am nächsten Tag eine Deadline für ein Update eines Programms habe noch einige Mails kontrollieren wollte. Ja für meine Firma. Doch ich fahre nicht wieder heim, oder dahin wo ich hergekommen bin. Ein unbestimmtes Gefühl zieht mich in eine andere Richtung. Ich fahre ein Stück die Straße entlang und komme auf den Hof eines kleinen Wohncarrés, hier weiß ich wohnt meine Tante. Aber noch eins weiß ich. Gleich hier gegenüber wohnt mein bester Freund und zwar bei seinen Eltern. Mit ihm habe ich meine Firma gegründet. Mit ihm bin ich erfolgreich. Er wird verstehen, dass ich Nachts um zwölf noch bei ihm auftauche, weil mir noch Deadlines und Rechnungen eingefallen sind. Ich klappe den Briefkastenschlitz hoch und reiße den mit Tesafilm befestigten Ersatzschlüssel ab. Im Hausflur entledige ich mich meiner Skates und springe die Treppen bis in die zweite Etage hinauf.

Als ich die Wohnung betrete weiß ich wo ich lang muss. Anscheinend hat mich das Adrenalin vom Skaten doch nicht so wach gemacht, denn noch immer fühle ich mich verwirrt und irgendwie ist auch alles noch ein bischen Fremd. Dennoch weiß ich, dass ich hier richtig bin. Im Wohnzimmer läuft noch der Fernseher. Also gehe ich Micha’s Eltern noch nen schönen Abend wünschen. Ich weiß, dass Michas Papa und mein Papa damals zusammen gearbeitet haben, sie sind gut befreundet und beide sind sie relativ erfolgreich. Doch irgendetwas nagt an mir. So Pflicht erfüllt. Ich haben nen guten Abend gewünscht. Nun kann ich hoch auf den Dachboden. In unsere “Firmenzentrale”. Hier hat alles begonnen. Kurz nachdem wir das Abitur abgeschlossen haben, haben wir, also Micha und ich, ein Gewerbe angemeldet. Davor hatten wir “den besten Sommer unseres Lebens”. Wir haben jede Nacht durch programmiert. Tagsüber hingen wir im Freibad und haben mit Frauen geflirtet, Musik gehört, Spaß gehabt. Nachts wieder programmiert oder Musik gemacht. Es war toll.
Kurz bevor unsere Studiensemester begannen hatten wir ein tolles Programm fertig und dachten uns, dass wir es verkaufen könnten. Heute haben wir 15 Mitarbeiter. Micha kümmert sich um die technischen Abläufe. Ich kümmer mich um das Kommerzielle und programmiere wenn ich Zeit habe mit und habe ein kleines Tool, dass ich ganz alleine technisch betreue. Ich öffne die Dachluke und lasse die Leiter herunter. Ich kletter die Leiter hoch und bin erstaunt. Nicht nur, dass Micha noch hier oben ist und am PC arbeitet finde ich komisch, noch komischer finde ich, dass Monika hier oben liegt. Sie ist auf unserer Couch und schaut mit halb geschlossenen Augen fern. Micha und Monika sind Zwillinge. Micha war schon immer mein bester Freund. Monika ist demnach sowas wie eine Schwester für mich. Ich liebe sie. Wie meine Schwester halt. Nach dem Abi ist sie nach Stuttgart, um dort Kunstgeschichte zu studieren. Jahrelang habe ich sie nur zu Weihnachten, Ostern und den Geburtstagen ihrer Eltern gesehen. Und als wir unser erstes eigenes wirkliches Büro eröffneten. Irgendwann brachte sie Christian mit. Ihren Freund. Es war schon komisch, sie mit einem Freund zu sehen. Andererseits, auch ich hatte Freundinnen. All das weiß ich. Obwohl da irgendwas im Hinterkopf brodelt. Irgendwas sagt mir, dass hier etwas faul ist.

Nun liegt sie da, mit nem dicken Bauch, aber immernoch so wunderschön wie immer. Jetzt gerade empfinde ich so viel Zuneigung zu ihr. Doch ich werde aus dieser Situation gerissen, als Micha mich anspricht.
“Alex, was machst du denn hier?”
“Mir ist noch ne Deadline und ein paar Rechnungen eingefallen, außerdem habe ich anscheinend mal wieder den halben Tag verpennt”
“Das nimmt kein gutes Ende mit dir, nimm dich bitte etwas zurück, der Erfolg ist nicht alles!”
“Jaja gewäsch, hast du gerade nen Rechner für mich?”
“Nen Rechner, hmmm, klar, dein altes Notebook liegt noch hier im Rollcontainer.”
“Super, hauptsache ich komme auf meine Workstation daheim”

Ich nehme mein Notebook aus dem Rollcontainer, schmeiße es an und fühle mich wie früher, als wir noch hier oben gefrickelt haben. Doch warum kommt es mir so unwirklich vor?

“Hi Monika, wie geht es dir?” begrüße ich nun auch endlich Micha’s Schwester. Ich weiß, dass Christian sie verlassen hat und sie mit dem Kind alleine lässt. Sie will es dennoch, dafür liebe ich sie, meine Unterstützung hat sie. Weiß ich, anscheinend.
“Hi Alex, abgesehen davon, dass ich wieder bei meinen Eltern wohne, geht es mir recht gut.”
“Alex, ich wollt mir mal nen Bier holen, wollst du auch eins?” schaltet sich Micha wieder ein.
“Äh, jaja klar, danke” stotter ich irritiert, irgendwie habe ich mich gerade in Monikas Augen verloren.

Alex klettert die Leiter runter, die ich noch nicht wieder hoch gezogen habe. Monika und ich sind allein auf dem Dachboden. Wir unterhalten uns ein bischen. Sie macht sich darüber lustig, dass mir die Haare allmählich ausgehen. Ich verspreche ihr, dass sobald ihr Kind mehr Haare auf dem Kopf hat als ich, ich mir ne Glatze mache. Sie steht auf, ist dabei sichtlich bemüht. Sie ist so wunderschön. Sie kommt zu mir rüber, um sich meine Pläte anzuschauen. Sie beugt sich runter zu mir und betrachtet sich meine übriggebliebene Haarpracht von oben, während ich dort auf meinem alten Schreibtischstuhl sitze. Ich hebe meinen Kopf, um ihr in die Augen zu sehen. Wir zwei alleine auf diesem Dachboden. Unsere Gesichter nähern sich. Unsere Lippen berühren sich. Tausende Gedanken die durch meinen Kopf jagen. Wir küssen uns, sanft, innig, lang, ohne Zunge, nicht wie Geschwister, nicht wie Freunde, romantisch. Mir macht es nichts aus, dass sie ein Kind erwartet. Mir macht es nichts aus, dass sie die Schwester meines besten Freundes ist, in diesem Moment weiß ich, ich liebe sie. Dieser Moment hält ewig und doch nur ein paar Sekunden.










Ich falle.





Alles schwarz um mich herum.






Ich wache auf. Blicke mich um. Ich weiß wo ich bin. Keine Skates in der Nähe. Nicht diese seltsame Vertrautheit. Keine Monika in der Nähe. Kein Micha in der Nähe. Nur mein Schlafzimmer. Der Wecker zeigt 6 Uhr morgens an. Ich merke, ich habe alles nur geträumt, das war dieses seltsame Gefühl die gesamte Zeit über. Ich rolle mich aus dem Bett, fühle mich 15kg schwerer. Ich gehe ins Bad und fühle mich fahler. Ich ziehe mich an, mache mir einen Kaffee. Öffne ein Fenster und springe.







Ich falle.






Alles schwarz um mich herum.









Ich wache auf. Ich habe einen guten Geruch in der Nase. Meine Skates in der Nähe. Monika im Arm und eine Pauline in Sichtweite.

Ein Leben das zu Ende ging

admin am 8. September 2009 um 20:00

um ein neues zu beginnen.

Fünf Jahre, drei Monate, zwölf Tage.

Diese Zahlen schwirren Frank schon seit Tagen im Kopf rum. Sie sind morgens um elf schon mehrfach bedeutend für ihn. Sie könnten gerade auch fünf Kg verloren, drei mal gekotzt, zwölf Kippen geraucht bedeuten. Tun sie aber nicht. Fünf, drei, zwölf. Das sind die Kennzahlen für die Beziehung die gerade in die Brüche ging und das mit gerade einundzwanzig.
Kein Wunder, dass Frank in ein tiefes Loch gefallen ist. Kennzahlen sind auch zwei, dreißig, null, zehn. Diese bedeuten aber etwas anderes. In etwa: Zwei Stunden schlaf pro Nacht, dreißig Kippen am Tag, null Nahrung und zehn Bier. “Ganz schön weit unten” denkt sich Frank. Und das ist er auch. Immerhin hat er seine Arbeit. Hier kann er sich vergraben und hat eine gute Ausrede nicht heim zu fahren. Da wo ihn alles an Manu erinnert. Manu so hieß seine Freundin, heißt sie heute noch, ist aber eben nicht mehr seine Freundin.
Seit der Trennung vor einem Monat schläft Frank nicht mehr, er trinkt jeden Abend und noch mehr. Häufiger hat er nun schon auf dem Geländer seines, zur ein-Zimmer-Wohnung gehörenden, Balkons gestanden. Letztlich doch immer zu feige sich fallen zu lassen. Nach wie vor hat sich Frank nicht daran gewöhnt heim zu kommen und sie nicht zu sehen. Nicht für sie zu kochen, nicht für sie da zu sein. Ihre Ideale haben sich geändert. Ihre Ziele. Ihre Wünsche. In über fünf Jahren haben sie sich nach einer Phase des Zusammenwachsens irgendwann wieder auseinander gelebt. Doch wann fing das an? Nachdem sie ihn betrogen hat? Nachdem sie mit der Ausbildung fertig war? Nachdem er anfing zwölf Stunden am Tag zu arbeiten? Was hatte er denn für eine Wahl? Er musste die Wohnung bezahlen, die Einkäufe, das Telefon. Alles von seinem Auszubildenengehalt. Nun arbeitet er richtig. Nun hätte alles wieder besser werden können. Stattdessen ist nun alles aus. Und genau so fühlt sich Frank auch.
Er kann sich einfach nicht vorstellen wieder in geordnetetn Bahnen zu leben, wieder zu lieben, ja wieder richtig zu leben. Er hat nicht den Willen dazu. Er arbeitet nun doch wieder zwölf Stunden am Tag und wenn er heim kommt arbeitet er weiter. Das ist es woran er sich festhält. Das Zimmer immer halbdunkel, immer ein seichter Nikotindunst im Raum und nur das fahle Leuchten der Computerbildschirme. Ein Dämmerzustand. Im Hintergrund immer die selbe Musik. Musikalisch melancholisch ernährt durch Shivaree und Tori Amos. Jeden Abend die selben Tränen.
Tagsüber versucht er sich nichts anmerken zu lassen. Da ist er auf der Arbeit. Dort gehören diese Gefühle nicht hin. Dort verteilt er plumpe Sprüche, sein Wissen, wenig Charme aber viel Leistung. Die Arbeit ist sein soziales Netz ohne doppelten Boden. Freundschaften gibt es hier kaum welche.
So ziehen zwei weitere Monate ins Land. Langsam isst Frank wieder. Die Haare sind länger geworden. Dafür aber auch wieder gestylter. Gut geht es ihm noch lange nicht. Nach wie vor raucht er zu viel. Nach wie vor arbeitet er sehr lange. Nach wie vor fließen ihm jeden Abend die Tränen und geschlafen wird immernoch nicht. Aber es geht bergauf. Frank hat sich vorgenommen, dass er wenn er die Kraft nicht hat, das Leben zu beenden, er doch zumindest die Kraft haben sollte es wieder zu ändern. Diese Entscheidung gefällt ihm von Tag zu Tag auch besser. Von Tag zu Tag schöpft er mehr Kraft. Nun weiß er, was gestärkt aus einer Krise hervorgehen bedeutet. Seine Einstellung hat sich geändert. Er geht wieder in die Natur, findet dort seinen Ruhepol für einen sonst rastlosen Geist. Obwohl es kalt ist legt er sich mitten in den Wald und atmet ganz tief ein. Tankt so die Energie die er braucht. Frank hat einen Weg für sich gefunden wieder auf die Beine zu kommen, ganz langsam und Schritt für Schritt.
Eines Tages, Frank kommt gerade im Büro an und hat sich gleich einen Kaffee mitgebracht, begibt es sich, dass sein Schreibtisch bereits belegt ist. “Scheiß Mobildesk-Policy” denkt sich Frank noch und spricht die Person an seinem Schreibtisch an. Claudia vergeht sich da an seinem Schreibtisch und benutzt sogar sein geliebtes Mousepad (wohl gemerkt ein ganz besonderes). Sie stellt sich ihm vor. Sie würde ein Praktikum in der Abteilung machen. “Immer diese Studenten”. Doch sie hat so ein freundliches Gesicht und so ein lächeln, dass Frank ihr nicht böse sein kann. Er bittet sie nur, sich am nächsten Tag einen anderen Platz zu suchen und begibt sich selbst auf die Suche, nach einen Platz für heute.

Frank und Claudia kommen immer häufiger ins Gespräch. Nicht das Frank wirklich mehr für sie empfinden würde. Er mag sie, als eine Freundin. Sie ist aufgeschlossen, offen und nett. Für mehr hätte Frank sowieso keinen Kopf. Aber wie das so ist, kommt Frank dennoch irgendwann an einen Punkt, an dem er mehr für sie empfindet. Just einen Tag später erfährt er, wie der Zufall das so will, dass sich ihr Freund von Claudia getrennt hat. Frank denkt nicht lange nach. Er ist jetzt für Claudia da, ganz uneigennützig. Er kennt dieses Gefühl. Viel zu frisch sind noch seine Wunden. Er versucht sie aufzubauen, ab zu lenken, kocht für sie, bringt sie sogar zu seinem Ruhepol. Inzwischen ist es Sommer, alles blüht und ist noch schöner. Langsam verblassen die romantischen Gefühle für Claudia wieder in Frank. An deren Stelle treten platonische oder gar brüderliche Zuneigung. Das ist gut so, denn bereit wären sie beide nicht für etwas Neues. Doch so kommt es, dass Frank sich noch schneller erholt. Die Tragödie von Claudia und das ihr beistehen lenken ihn von seinen Schmerzen ab. Und Claudia fällt erst gar nicht so tief, wie Frank es tat. Die beide Leben von einander und so beginnt für Frank ein neues Leben.

Ich liebe….

admin am 30. Juni 2009 um 10:29

Den Gedanken verliebt zu sein!